
Ostersonntag mit der Dichterin Elke Erb zwischen Magnolienbäumen vorbei an Wildwuchs und historischem Gemäuer.
Elke Erb, Generationsgefährtin von Sarah Kirsch, Kunstliebhaberin, Mutter meines Geliebten und Inspiration, war es, dir mir riet, mitzuschreiben, meinen verbalen Alltag zu verarbeiten und umzusetzen.
Und während wir (irgendwann im letzten Jahr) die Schönhauserallee hinunterliefen und die Geschäfte inspizierten, hörte ich sie sagen:”…ein Kopf mit unglaublich vielen Viren drin…auf den hundert Stufen meines Bewußtseins…liebliche Mädchenstimmen dirigieren das Leben…Handttaschen auch - purer Sex…”
Ich schrieb mit und machte Bilder daraus - neue Kontexte - neue Zusammenhänge manchmal. Skizzenbücher voll mit verbalen Skizzen und Bildern.
In dem Suhrkamp Taschenbuch “Frauen Literatur Geschichte” ist in der dreiseitigen Abhandlung über ihr Schaffen zu lesen:
“…Von Anfang an arbeitete sie darauf hin, die kanonische Komposition von imago und suscriptio aufzulösen, die wie schon die Surrealisten vermuteten, in den Wahrnehmungsgewohnheiten begründet sein dürfte. …”
Wozu mir bei diesen Temperaturen ein Satz aus ihrem Band “Vexierbild” einfällt:
“”Wenn ich auf die Stehleiter steige, bricht mir der Schweiß aus. Rationell wäre, sie nackt zu besteigen. Viele richtige Überlegungen werden vom Alltag verworfen.”
Hier noch aus ihrem 2005 erschienenen Lyrikband “Gänsesommer” veröffentlicht von Urs Engeler das Gedicht “Die Lust”.
Die Lust
auf der Wiesenwölbung zu gehen
dort links überm Dorf, mit Besuch,
ist sanft, geduldig und nachsichtig,
erinnere ich mich.
als ginge ich über einen großen Bauch,
den gut bewohnt gewesenen, jetzt leeren, alten,
ledernarbigen auch, meiner Mutter, als gebe es
diesen Genuß, einmal noch,
und zwar beliebig wiederholbar und weiter
nichts.
(für Birgit)
Und als Schlusswort sei hier herausgebrochen der Schlusssatz aus Elke Erbs Gedicht “Ostern” aus dem Band “Sonanz 5-Minuten-Notate” :
“…
Narzissen sprießen. Sei lieb zu wem.”
P.